Gedanken zur Labradorzucht

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Unser „Eyecatcher“ macht seinem Namen alle Ehre.

 

Erst kürzlich habe ich wieder einmal eine Anzeige in der Tagespresse gelesen, die ähnlich lautete:

„Verkaufe ab Mitte Dezember Labrador Welpen in den Farben charcoal und silver…“

Aktuell an dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, den sehr geschätzten Besuchern meiner Internetseite zu erklären, dass es diese und ähnliche Farben bei der Rasse Labrador Retriever nicht gibt.

Es gibt lediglich drei Farben lt. FCI-Standard 122:

„[…] Farbe :
Einfarbig schwarz, gelb oder leber/schokoladenbraun.
Gelb reicht von hellcreme bis fuchsrot.
Ein kleiner weisser Brustfleck ist statthaft. […]“

Demnach kann ein schwarzer Labrador Retriever pechschwarz, oder auch dumpf-schwarz ggf. mit einem leichten Schein ins Rötliche sein. Dieser rötliche Schimmer wird durch einen rötlich-braunen Farbstich der Unterwolle hervorgerufen. Die Pigmentierung der Lefzen, der Augenlider und des Nasenschwammes sind beim schwarzen Labrador immer schwarz.

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Schwarzer Welpe

 

Bei den gelben Labrador Retrievern darf das Haarkleid hellcreme bis fuchsrot sein. Es ist jedoch nie gleichmäßig gefärbt, sondern es weist am Fang, am Rücken, den Ohren und an den Sprunggelenken einen deutlich dunkleren Farbton auf. Der Bauch und die Brust sind oftmals sehr hell. Der Nasenschwamm kann hier je nach Genotyp schwarz, schwarzbraun (im Sommer dunkler, im Winter heller) oder leberbraun sein („Dudley“).

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Rüde mit rötlichem Deckhaar und einem wunderbaren Wesen. Formwert „Vorzüglich“.

 

Die Fellfarbe des braunen Labrador Retrievers reicht von mittelbraun bis dunkelbraun.
Seine Unterwolle ist braun. Es ist möglich dass sich der braune Labrador während seines Fellwechsels partiell aufhellt. Das Pigment ist ebenfalls braun.

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Unser Benny mit einem Fellkleid wie Zartbitterschokolade 😉

 

Allerdings sind außer den Fellfarben, auch die anderen Merkmale des typischen Erscheinungsbildes und der Charakter des Labrador Retrievers zu beachten (wie im FCI-Standard Nr. 122 beschrieben).
Man sollte beim Kauf eines Labradors darauf achten, dass der Hund Papiere hat, die von einem dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angehörenden Zuchtverein ausgestellt wurden. Nur beim Kauf eines rassereinen Labradors von einem solchen Züchter, kann man sich sicher sein, dass man einen Labrador bekommt, der sowohl das Aussehen, als auch das im Rassestandard beschriebene Wesen aufweist (mehr dazu unter „Der Labrador“).

Es gibt also keine reinrassigen Labrador Retriever
in den Farben:

charcoal, silver, white oder champagner!

Hunde mit solch exotischen Farbebezeichnungen besitzen meist unmittelbare Vorfahren einer anderen Rasse, z. B. kann ein silbrig schimmernder Labrador zum Teil von einem Weimaraner abstammen, der wiederum auch seine für diese Rasse typischen Wesenseigenschaften an den kleinen „Labrador“ weitergegeben hat.
Diese Mischlinge bringen oft die Vorstellung über das Erscheinungs- und Wesensbild, das die Menschen von einem rassetypischen Labrador haben, völlig durcheinander. Passiert plötzlich ein destruktives Ereignis und der vermeintliche Labrador fällt wegen untypischen Verhaltens negativ auf, kommt die Rasse „Labrador Retriever“ schnell in unverdiente Kritik.

Dennoch möchte ich betonen, dass jeder Mischlingshund, auch gute Eigenschaften in sich vereinen kann und sicher auch überaus liebenswert ist.

Ich bin jedoch strikt dagegen, dass Menschen, die sich einen Labrador kaufen möchten, betrogen werden, indem man ihnen diese Hunde als „Labrador Retriever mit neuem Farbschlag“ offeriert.

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Schwarze Junghündin und ihr Spielgefährte ein schokoladenbrauner Labrador


Ich erinnere mich an einen Welpenkurs in der Hundeschule vor zwei Jahren:

Ein Teilnehmer parkte damals am Treffpunkt sein Auto neben unserem und hob seinen Welpen heraus.

Ich wollte freundlich sein und begrüßte den Mann. Dabei meinte ich so nebenbei:
“Oh, ein kleiner Weimaraner!“

Der Mann schaute mich einen Moment verdutzt an und verbesserte mich dann stolz:
„Nein, das ist ein silberner Labrador!“

Jetzt war es an mir erstaunt zu blicken, da setzte er nach:
„Seine Mutter ist ein Labrador und das ist eine neue Farbe.“
Ich wollte ihn nicht brüskieren und auch nicht belehren, daher beließ ich es dabei.

Im Laufe der folgenden drei Monate Training stellte sich heraus, dass der kleine silberfarbene Hund mit den blaugrauen Augen oft zu ängstlich, andererseits aber auch übervorsichtig und sehr, sehr anhänglich war. Der Teilnehmer betrachtete oft meinen kleinen Benny, der so unerschrocken, selbständig und fröhlich ist und verstand nicht, dass sich beide Labradore sowohl im Wesen als auch anatomisch so sehr unterschieden. Je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurden die Unterschiede zwischen den beiden.

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Labrador Retriever – braun – beim Apportieren

Der Labrador Club Deutschland e.V. (LCD e.V.) und der Deutscher Retriever Club e.V.(DRC e.V.) führen für Labrador Retriever, die eine FCI-Ahnentafel besitzen, einen Wesenstest zur Überprüfung der gezüchteten Hunde, nach dem oben bereits genannten Standard des Labradors Nr. 122 der FCI, durch. Ein bestandener Wesenstest und Röntgenauswertungen für Hüftgelenke und Ellebogen mit dem Ergebnis im zuchtrelevanten Bereich sind zwei erforderliche Voraussetzungen für die anschließende Formwertprüfung ( Beurteilung u.a. Aussehen, Gebiss, Knochen, Fell, Gangwerk, Grösse….).
Erfüllt der Labrador alle Kriterien und liegen keine weiteren zuchtausschließenden Fehler vor, und hat sich auch das Mitglied des Clubs, als Züchter entsprechend qualifiziert, kann für den Labrador die Zuchtzulassung beantragt werden.

In der Satzung des LCD e. V. vom 01.06.2014 steht in §2 („Zweck“):

„1. […] Zweck ist die Reinzucht der Rasse Labrador Retriever nach dem bei der F.C.I. hinterlegten (gültigen) Standard Nr.122. Demgemäß fördert der Verein alle Bestrebungen, die der Erfüllung dieses Zweckes dienen. Dabei ist Grundlage die Erhaltung und Festigung des Rassehundes in seiner Rassereinheit, seinem Wesen, seiner Konstitution, seiner jagdlichen Gebrauchstüchtigkeit und seinem formvollendeten Erscheinungsbild.“

So wird gesichert, dass nur gesunde, rassetypische Labrador Retriever ihre wunderbaren, labradortypischen Eigenschaften an ihre Kinder und Kindeskinder weitergeben. Zur Freude aller, die diese bemerkenswerte Rasse lieben und erhalten wollen!

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Unsere „DREI Farben“ beim Waldspaziergang

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